2 April 2008 by suz
Warum sollte man nicht schon vor Beginn eines großen Projektes erst einmal eine Pause einlegen? Seit der Abgabe der letzten Hausarbeit ist auf akademischem Parkett nicht allzuviel passiert. Irgendwie hat man außeruniversitär immer die Hände voll zu tun gehabt, Sechstagewoche, Achtzehnstundentage, körperlicher und mentaler Stress, Geburtstag - und das Warten auf die beiden noch ausstehenden Scheine.
Und gestern war Semesterbeginn. Immer vorgenommen, nie wahrgemacht geht es scheinfrei mit Fresszettel und Minitasche in Vorlesungen, die man aus Jux und Dollerei zur persönlichen Belustigung besucht. Eine Befreiuung! Und ein Examenskolloquium, in dem ich in zweieinhalb Monaten eine dann idealerweise halbfertige Magisterarbeit präsentieren soll.
Können Sie sich bis dahin auf den Hosenboden setzen und was vorstellen?
fragt der Prof.
Klar, muss ich ja jetzt.
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10 März 2008 by suz
Ich bin ab April meine Haupteinnahmequelle los: zu lange schon arbeite ich als Hilfskraft. Nach acht Semestern ist den verwaltungstechnischen Regeln folgend Schluss, gleich, ob man seinen Job ordentlich macht. Nun möchte ich nicht darüber urteilen, wie gut oder weniger gut ich meinen Job gemacht habe. Allerdings ist es schon über Studiengebühr ärgerlich, denn innerhalb des Forschungsprojektes, in dem ich seit 2003 arbeite, werde ich meine Magisterarbeit schreiben. Und so eine Verbindung von bezahlter Arbeit und akademischer Forschung in Vollzeit wäre eigentlich eine logische und sinnvolle Symbiose - für beide Seiten. Sei’s drum.
So ist dieser März der letzte Monat relativer finanzieller Unbeschwertheit. Der Monat, in dem man das 27. Wiegenfest begeht und nach dem alles erlischt: Krankenversicherung, Kindergeld, Jugend. Das bisschen Bafög ist schon ein gutes Jahr ausgelaufen. Dafür gibt’s jetzt Studiengebühren.
Aber so ist das jetzt und nicht anders. Und irgendwie hat man sich die letzten sieben Jahre mit sehr wenig oder ein wenig mehr durchgeschlagen. So war es nie einfach, aber auch nie langweilig.
Und wer will schon ein einfaches Leben.
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8 März 2008 by suz
Die nächtliche Aufarbeitung von Gedanken führte bereits vor einigen Wochen zu der panischen Feststellung, dass mir Alpträume noch einige Male den Spass verderben werden. Damals war es das erschreckende Szenario, im Prüfungsamt zu stehen und festzustellen, dass ein Schein fehlt. Die Angst damals: noch mal eine Hausarbeit schreiben, noch ein Referat halten und - besonders einschüchternd - noch einmal ein ganzes Semester von grauenhaft schlechten Präsentationen der Kommilitonen gequält zu werden.
Und in der Nacht nach Abgabe der letzten Hausarbeit malträtiert mich ein rot eingefärbter Screenshot eines Plagiaterkennungsprogramms: alles nur geklaut. Wäre doch aber nicht mein Fehler, dass ich die eigentlich stringente Argumentationsstruktur nicht vernünftig zu Papier bringen konnte und sich jemand meine Ideen abgeguckt hat.
Ja, klar.
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8 März 2008 by suz
Na, jetzt fängt der Stress doch erst richtig an.
…antwortete mein Professor auf meine Feststellung, dass ich mich eigentlich gar nicht entspannt fühlte, jetzt, wo ich doch meine letzte Hausarbeit abgegeben habe.
Also ich möchte keinen Stress aufkommen lassen. Wäre doch gelacht. Warum macht sich (und mich) die ganze Welt so wahnsinnig und wahnsinnig verrückt? Es ist sicherlich richtig und wichtig, dass ich das Panikorchester dirigiere. Mein eigenes. Und alles ist immer eine Qual und ich bin auch immer die einzige, die leidet. Und jetzt soll ich eine Magisterarbeit schreiben.
Wie wir alle wissen, nach der Hausarbeit ist vor der Magisterarbeit.
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