Archive for Irisches Englisch

Der Rotz

Ich nenne es den Rotz. Das, was man so hinrotzen kann bei so einer Arbeit. Hintergrundinformation, Forschungsstand, vielleicht Geschichtliches, vielleicht Demographisches. Es ist einerseits der Rahmen, andererseits das dickere Ende des roten Fadens. Alles das, was sich unter „Grundlagen“ zusammenfassen lässt. Alles das, was im Grunde reine Fleissarbeit darstellt.

Bei einer Hausarbeit war das Schwierigste daran, dem Rotz nicht zu viel Platz einzuräumen. Bei 15-20 Seiten waren das 3-4 Seiten, höchstens. Ein Fünftel. Bei 80 Seiten Magisterarbeit wären ein Fünftel immerhin 16 Seiten. Hilfe! Sechszehn Seiten über die Uneinigkeit in der Forschung über den linguistischen Flickenteppich Irlands? Denn bei aller Zerstrittenheit über den sprachlichen Status Quo im 19. Jahrhundert scheint nur eins sicher zu sein: man weiss es nicht genau.

Eigentlich wirft der Rotz mehr Fragen auf, als er beantwortet.

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Der Artikel im Irischen English

Der Hauptgegenstand meiner Untersuchung ist der Artikelgebrauch im irischen Englisch. Dabei geht es um folgende Konstruktionen:

He left the school at thirteen.
I will see him in the summer.
She suffers from the fever.
I earn three pounds in the week.
He saw the both of them last night.

Das sind nicht notwendigerweise „falsche“ Sätze im Standardenglischen, jedoch ist der Gebrauch des bestimmten Artikels im irischen Englisch sehr viel höher frequentiert und in bestimmten Kontexten besonders häufig, als in Standardvarietäten. Dieser Gebrauch findet sich, u.a. im irischen Artikel an wieder:

D’fhág sé an scoil in anois a trí déag.
‚He left school at thirteen.‘

Nun könnte man von einem direkten Transfer aus dem Irischen sprechen. Das Problem ist, dass andere Kontaktvarietäten des Englischen eine ähnliche Verwendungsweise haben, beispielsweise das Schottische Englisch (als weitere keltische Kontaktsprache) oder Singapur Englisch. Und auch im Englischen in England sowie im Frühneuenglischen, das ja das mutmaβliche Englisch der englischen Siedler in Irland darstellt, sind einige dieser Verwendungsweisen zumindest nicht unbekannt. Die Quelle ist – und das ist das ein zentrales Problem in der Kontaktlinguistik – nicht einfach auszumachen.

Glücklicherweise ist das auch nicht mein Anspruch.

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Mein Thema

Studiengang: Anglistik. Und weil das zu sehr nach Literatur und Shakespeare klingt, sag ich lieber, ich studiere Linguistik. Erhöht zwar meist den Erklärungsbedarf, ist aber weniger anfällig, als der Satz „Ich studiere Englisch“. Letzteres zieht meist ein „Ach, deshalb sprichst du so gut Englisch“ nach sich. Äh, wenn das so wäre, würde das ja im Umkehrschluss bedeuten, dass alle meine Kommilitonen vernünftig Englisch… gut, lassen wir das.

Zur Mitte meines Studiums (derzeit: zehntes Fachsemester) war ich eher auf der Schiene der Sprachlehrforschung (Applied Linguistics) und Soziolinguistik. Darauf war auch mein Auslandsstudium an der University of Technology, Sydney (UTS) ausgerichtet. Zum damaligen Zeitpunkt schien eine Symbiose mit meinem zweiten Hauptfach Politikwissenschaft für die Magisterarbeit – „Englisch/Sprachen und Europäische Union“ – unausweichlich. Und dann kam alles ganz anders.

Von Juli 2003 bis April 2008 arbeitete ich am Sonderforschungsbereich „Mehrsprachigkeit“ als Studentische Hilfskraft im Projekt zur historischen Entwicklung des Englischen in Irland (Hiberno-Englisch) und zu Sprachwandelprozessen in Sprachkontaktsituationen. Und wen das jetzt wirklich im Detail interessiert, kann sich gerne hier informieren.

Dann schrieb ich im April 2007 eine Hausarbeit über ein Phänomen innerhalb des Irischen Englisch und setzte mich zum ersten Mal wirklich mit den Inhalten des Projekt auseinander. Damit war eine wesentliche Weiche umgestellt: vergiss die EU, mach was Irisches!

Und da bin ich nun. Ein Kontaktphänomen im Irischen Englisch. Arbeitstitel: Article Use in Irish English. 19th Century Contact-Induced Change.

Und nu mach mal.

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